Frauen in der Feuerwehr

 

Frauenbeauftragte: Natalie Langer
Mit Natalie Langer wurde bei der Feuerwehr Geisenfeld 
nun die Stelle der Frauenbeauftragten besetzt.
Natalie ist seit 2011 in der Feuerwehr Geisenfeld. 
Nach ihrer Ausbildung wechselte sie 2014 in den aktiven Dienst. 
Hier ist sie auch im Bereich der Jugendausbildung tätig

Bericht über die Frauen in der Feuerwehr Geisenfeld

 

Sie schneiden Verletzte aus Autowracks, löschen Wohnungs- und Waldbrände, dichten Leckagen bei Chemikalientransportern ab und kommen bei Sturm- und Unwetterschäden zum Einsatz: Das Einsatzspektrum der Freiwilligen Feuerwehr Geisenfeld ist groß. Über 70 Menschen sind hier 24 Stunden am Tag für ihre Mitmenschen aktiv - davon sind sieben Frauen. 

 

"Deutlich zu wenig", wie Feuerwehrkommandant Johann Rottler findet. Die Zahl ist seit etwa 25 Jahren gleich geblieben. Bayernweit gibt es derzeit etwa 320.000 Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren. Nur etwa 8% davon sind weiblich. Grund genug für den Landesfeuerwehrverband hier die Werbetrommel zu rühren. Lange war das Thema Feuerwehr ganz den Männern vorbehalten. In Geisenfeld trat 1991 die erste Frau bei. Damals ein Novum, mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

 

Mit Andrea Gigl, Sabine Schilcher, Maria Wassermann, Tanja Weber, Natalie Langer, Sarah Berger und Julia Weingartner sind derzeit nur sieben Frauen im aktiven Dienst der Geisenfelder Feuerwehr, jedoch sind bereits viele mehr in der Jugendfeuerwehr. "Dabei sind unsere Frauen in der Feuerwehr selbstverständlicher Bestandteil des Teams", so Kommandant Johann Rottler. Genauso sehen es auch die Feuerwehrdamen, wie Tanja Weber berichtet. "Wir nehmen das volle Aufgabenspektrum wahr, egal ob Brandbekämpfung oder technische Hilfeleistung. Letztendlich hängt es von jedem einzelnen ab, welche Aufgaben er oder sie in der Mannschaft wahrnehmen möchte. Es gibt keine Frage des Geschlechts, sondern eine individuelle Entscheidung des Einzelnen." Und der stellvertretende Kommandant Robert Weber ergänzt, "natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen Frauen und Männern, genau deshalb brauchen wir mehr Frauen in der Feuerwehr."

 

Wie sie den Weg in die Feuerwehr gefunden haben, erklären die Damen ganz unterschiedlich. Einmal waren es die Eltern die ihnen das Hobby der ehrenamtlichen Feuerwehrtätigkeit schmackhaft gemacht haben. Eine große Rolle spielen aber auch Familienmitglieder, Freunde und Bekannte, die bereits in der Feuerwehr aktiv waren und sie einfach mal mitgenommen haben. Nicht zuletzt waren es aber auch die verschiedenen Werbeaktionen der Feuerwehr selbst, die immer wieder die Türen für neue Mitglieder aufgemacht haben. Bei zwei Frauen war es der Umweg über die Ortsfeuerwehr Zell, die ihnen die Aufgaben in der Geisenfelder Wehr schmackhaft gemacht haben. Maria Wassermann und Tanja Weber haben es sich aber nicht nehmen lassen auch in der Feuerwehr Zell weiterhin aktiv zu bleiben. Möglich gemacht hat das eine Gesetzesänderung vor ein paar Jahren, die eine Doppelmitgliedschaft mittlerweile erlaubt.

 

Aber was gefällt den Frauen jetzt eigentlich in der Feuerwehr am besten. Auch hier gehen die Meinungen weit auseinander. "Der Umgang mit der Technik", nennt Sarah Berger einen ihrer Gründe in der Feuerwehr zu sein. "Die vielen Freunde die man durch das Hobby erhält und die große Kameradschaft in der Feuerwehr", so Andrea Gigl. Dass man auch für seine persönliche Zukunft einiges lernen kann, begründen die sieben Frauen damit, dass die Teamfähigkeit gefördert wird und man bei plötzlich auftretenden Stresssituationen durch die Ausbildung ruhiger und überlegter reagiert als viele Mitmenschen.

 

Alle Mitglieder der Feuerwehr Geisenfeld engagieren sich ehrenamtlich. Das heißt, sie gehen alle einem anderen Beruf nach. Bei Einsätzen werden sie über Funkmeldeempfänger, die sogenannten "Piepser" alarmiert und eilen zum Feuerwehrhaus, um dann schnellstmöglich helfen zu können. Bei den Feuerwehrfrauen in Geisenfeld ist das nicht anders. So arbeiten die Damen als Erzieherin, Umweltingenieurin, Studentin für Lehramt, Beamtin, Betriebswirtin, Hauswirtschafterin und Landschaftsgärtnerin. Genau dieses breite Spektrum der Berufe ist es, das die Feuerwehr ausmacht. "Wir sind viele Spezialisten auf verschiedenen Gebieten, die sich in der Feuerwehr gemeinsam engagieren und sich dadurch gegenseitig ergänzen", so Robert Weber.

 

Oft kommt auch das Vorurteil zur Sprache, dass Frauen für den Feuerwehrdienst körperlich nicht geeignet sind. Dem widersprechen die Geisenfelder Feuerwehrleute ausdrücklich. Oft hilft die Geschicklichkeit mehr als die reine Muskelkraft. "Und wenn es dann doch einmal zu schwer wird, sind unsere männlichen Kameraden immer sofort zur Stelle und helfen uns", berichtet Sarah Berger.

 

Der bayerische Landesfeuerwehrverband hat sich heuer im Rahmen der jährlich stattfindenden Brandschutzwoche das Thema "Frauen zur Feuerwehr" zum Motto gemacht. Neben vielen Aktionen auf Verbandsebene, bei denen unter anderem Innenminister Joachim Herrmann als Schirmherr mitwirkt, wurden auch die Feuerwehren selbst aufgerufen hier mitzuwirken. Bei der Feuerwehr Geisenfeld nahm man diese Aufforderung gerne an. Schon seit einigen Jahren wird versucht, das Image der Feuerwehr zu verbessern und sich offener zu präsentieren. "Unsere Türen stehen den Geisenfeldern offen", so Kommandant Rottler. "Wir freuen uns über jeden Besucher und zeigen den Bürgern auch gerne unsere Gerätschaften." Auch mit Aktionen wie dem Tag der offenen Tür und der Teilnahme am Christkindlmarkt wird versucht, das Thema Feuerwehr den Geisenfeldern näher zu bringen. Abgerundet wird das Angebot durch einen lebendigen Internet- und Facebookauftritt.

 

Die Feuerwehr Geisenfeld trifft sich jeden Freitag um 19 Uhr im Gerätehaus in der Nöttinger Straße. Hier können sich interessierte Damen, aber auch gerne Herren, im Alter von 13-50 Jahren informieren. Wer das persönliche Gespräch vorzieht, kann sich aber auch gerne an die beiden Kommandanten Johann Rottler und Robert Schaller wenden. "Wir freuen uns immer über Neuzugänge, egal ob Neu- oder Wiedereinsteiger", so Johann Rottler.